Was Burnout ist

Eine Geschichte

Anton und Bernd wandern seit mehreren Stunden einen hohen Berg hinauf.
Beide gehen den gleichen Weg, die gleiche Steigung, die gleiche Geschwindigkeit und verbrauchen ähnlich viel Energie.
Nach einer Rast erhält Bernd einen schweren Rucksack den er tragen muss.
Beide wandern den gleichen Weg, die gleiche Steigung, mit der gleichen Geschwindigkeit.
Bernd merkt relativ schnell, dass die Wanderung kraftraubender ist als vor der Rast.
Dennoch vergleicht er sich mit Anton und versucht Schritt zu halten.
Er verdrängt die Existenz des Rucksacks, weil er nicht an eine Beeinträchtigung seiner Leistungsfähigkeit durch ihn glaubt.
Für Bernd wird es immer schwerer die gleiche Geschwindigkeit von Anton zu halten.
Er beißt auf die Zähne und reißt sich immer wieder aufs Neue zusammen. "Vor der letzten Rast konnte ich doch genau so schnell laufen wie Anton. Das muss doch gehen!".
Er zwingt seinen Körper die Geschwindigkeit zu halten, obwohl er mittlerweile massiv rebelliert. Der Körper drängt immer wieder auf Pause und Erholung, aber der Verstand ist stärker.
Der Verstand hat sehr gute Gründe, die es Bernd nicht möglich machen zu pausieren..
Am planmäßigen Rastplatz endlich angekommen kann sich Bernd, im Gegensatz zu Anton, nicht mehr vollständig erholen. Mit Erschöpfung geht es für Bernd in die nächste Etappe. 
Immer wieder schleppt sich Bernd von einer Rast zur anderen. Erkältungen, Magen-Darm-Beschwerden und Müdigkeit sind mittlerweile zu seinen ständigen Begleitern geworden.
Anton hat sich schon abgesetzt als Bernd plötzlich auf einem Geröllstück ausrutscht und heftig auf den Boden fällt. Völlig erschöpft bleibt Bernd liegen. Er hat einfach keine Kraft mehr.
Erst am nächsten Tag schafft er es aufzustehen und ins Tal abzusteigen, um seine Verletzungen behandeln zu lassen. Der Arzt rät ihm eine längere Pause einzulegen und sich richtig zu erholen. Es wäre ja kein Wunder so erschöpft zu sein. Wahrscheinlich hat er zu wenig Pausen gemacht und ist die steilen Stücke viel zu schnell gegangen. Bernd stimmt den Vermutungen vollständig zu und verdrängt, dass er noch vor einiger Zeit ohne Probleme neben Anton gegangen ist. Er befolgt den ärztlichen Rat und entschließt sich für eine längere Pause zur Regeneration. Entspannung, Massagen und viel Schlaf lassen ihn relativ schnell wieder zu seinen Kräften kommen.
Eine Woche später startet Bernd mit vollem Elan auf den gleichen Berg.
Nach kurzer Zeit fühlt er wieder die alte Erschöpfung. Den Rucksack trägt er immer noch auf dem Rücken. Bernd spürt ihn irgendwie, aber er sieht ihn nicht mehr.
Der Arzt hat ihn auch nicht gesehen.
Daher wird Bernd ihn auch nicht ablegen.
Er wird immer wieder und schneller erschöpfen.
Er wird dann immer wieder hören, er soll kürzer treten.
So lange, bis er zusammenbricht und er aufhört
den Berg zu besteigen oder...
...so lange, bis er jemanden findet der ihn auf
seinen Rucksack hinweist und ihm hilft,
diese zusätzliche Last abzulegen...

__________

"Eine tief emotional belastende Situation trat in mein Leben...
...sie begegnet mir regelmäßig, manchmal permanent...
...sie dauert schon lange an...
...sie ist eine zusätzliche Last, die ich im Alltag tragen muss...
...sie überfordert mich immer mehr...
...fast unerträglich...
...ich kann mich ihr nicht entziehen...
...ich kann sie nicht verdrängen...
...ich finde keinen Ausweg...
...ich kann nicht mehr...
...was soll das alles noch...
...ich will nicht mehr..."
__________

Was ist Burnout?

Burnout bedeutet "ausgebrannt sein" und ist das
Endstadium eines langen Prozesses. Es ist kein
kurzfristiger Zustand, sondern ein schleichend verlaufendes und langwieriges Geschehen.
Betroffene fühlen sich nur noch schlapp,
überfordert und müde. Für sie ist alles zuviel und jede kleinste Tätigkeit erfordert ungeheure Anstrengung.
Sie leben mit der Sehnsucht nach Ruhe und sind gleichzeitig unfähig, sich in der freien Zeit wirksam zu regenerieren.


Burnout ist immer noch ein Tabu

Auch wenn in regelmäßigen Abständen über Burnout berichtet wird, ist es in Unternehmen immer noch ein Tabuthema. Aus Angst vor Konsequenzen aus dem persönlichen Umfeld oder von Seiten des Arbeitgebers bleiben die Betroffenen lieber unerkannt. Sie schweigen und verdrängen Burnout solange, bis sie an ihre persönlichen Grenzen stoßen. Häufig wissen Sie aber auch nicht wie sie mit Burnout umgehen bzw. an wen sie sich wenden sollen. 
 

Erste Regeln für Betroffene

1. keine übereilten Entscheidungen treffen
    Betroffene sind nicht mehr entscheidungsfähig!

2. aktuelle Probleme delegieren
   Eine Vertrauensperson (Freund, Rechtsanwalt, etc.) beauftragen, wichtige und
   existenzbedrohende Entscheidungen zu übernehmen.

3. Sich auf die eigene Person konzentrieren
    Ursachenforschung über Therapie, Selbsthilfe, Klinikaufenthalt betreiben

4. Zeit zur Regeneration akzeptieren
    Burnout hat sich über einen langen Zeitraum entwickelt und ist nicht mit ein paar
    Medikamenten und einem Urlaub/Kur in ein paar Wochen zu „heilen“.

5. Mit aller Konsequenz möglichst die Dinge tun, die keine persönliche Energie
    verbrauchen
   Über Jahre hat der „Verstand“ regiert und zum Durchhalten „aufgerufen“.
   Seien Sie „egoistisch“ und handeln Sie während der Regenerationsphase nur nach
   Ihrem Gefühl. Erfolgserlebnisse suchen.

6. Erwarten Sie nicht zuviel von sich selber. Das haben Sie lange genug getan!